In der aktuellen Ausgabe der ZDF-Kabarettproduktion Neues aus der Anstalt legte Erwin Pelzig, das Bühnen-Alter-Ego des Journalisten und Kabarettisten Frank-Markus Barwasser, einen bemerkenswerten Auftritt hin.

"Wir kriegen dauernd so viele Antworten", sagt er, "statt dass endlich mal jemand die richtigen Fragen stellt." Und dann legt er los, stellt die Fragen, was denn in der Politik wirklich wichtig sei, und was eher unwichtig.

So möchte er wissen, warum die Investmentbank Goldman Sachs empfiehlt, gegen den Euro und gegen Europa zu wetten, und warum die selbe Bank europäische Regierungen berät, wie der Euro und Europa zu retten sind.

Er möchte wissen, warum denn der Deutschlandchef jener Bank unsere Bundesregierung beraten hat, obwohl er der Meinung ist, die Banken hätten keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern.

Auch würde er gerne wissen, was eigentlich aus den 4000 Milliarden Dollar geworden ist, die die Kriege in Afghanistan, Irak und Pakistan insgesamt gekostet haben. Dieses Geld habe nur Unheil angerichtet.

Ob der ganze Terrorismus nicht vielleicht ein riesiges Geschäft für ganz wenige sei, die sich die Taschen vollstopfen? Ob er vielleicht nur dazu da sei, um dem "bedauernswerten, sterbebereiten" Kapitalismus ein Ende zu bereiten?

Weiter fragt er, warum überall nur von Schulden zu reden ist, wenn doch für besagte Kriege 4000 Milliarden Dollar aufgewendet werden konnten.

Es ist ihm auch ein Rätsel, warum bei den Sparpaketen, die die Regierungen schnüren, das Geld immer von "den Vielen, die nichts haben" geholt wird, und nicht von "den wenigen, die Alles haben". Dies wäre nicht ungerecht, meint er, denn so wie es jetzt sei, sei es ja auch nicht ungerecht. Und, so folgert er, wenn es offenbar nicht ohne Ungerechtigkeit geht, wäre es dann nicht gerechter, die Ungerechtigkeit auf möglichst wenige Menschen zu verteilen, das aber möglichst gerecht?

Das Steuerabkommen Deutschlands mit der Schweiz steht auch unter seiner Kritik, denn damit kämen Steuerhinterzieher "juristisch völlig ungeschoren" davon. Lieber solle man diese in "Angst und Schrecken" versetzen, so "dass sie nachts nicht mehr schlafen können, weil sie Angst haben müssen, dass eine CD auftaucht" und man ihnen doch noch auf die Schliche kommt.

Er möchte auch gerne wissen, was die Kanzlerin meinte, als sie sagte, das Parlament solle bei den Rettungsschirmen marktkonform mitbestimmen. Er spekuliert, ob Frau Merkel gar eine "marktkonforme Demokratie" im Auge hat? Sein Gegenvorschlag: Ein demokratiekonformer Markt.

Zum Abschluss widmet sich Erwin Pelzig noch der deutschen Medienlandschaft. Er will es nicht auf sich sitzen lassen, unentwegt über die Entwicklungen des Aktienmarkts zu hören, wenn doch nur 3,5 Millionen Menschen (genau: 3,42 Millionen) in Deutschland überhaupt direkt in Aktien investiert haben.

Allein zahlenmäßig hält er es für sinnvoller, stattdessen kurz vor den Nachrichten zum Beispiel eine Informations- und Ratgebersendung für Menschen mit Burn-out-Syndrom ("Stress und Belastung"), Alkoholproblemen oder Nikotinabhängige auszustrahlen.

Der obige Text hat den Auftritt Erwin Pelzig bei "Neues aus der Anstalt" vom 27. September 2011 zum Vorbild, er ist nicht originalgetreu wiedergegeben. Das Originalvideo des Auftritts finden Sie in der ZDF-Mediathek oder bei YouTube.