2015-12 Martin Schulz SPD Bundesparteitag by Olaf Kosinsky-1

Nach Martin Schulz' Verzicht auf das Amt des Außenministers ließen viele Journalistinnen seine Karriere noch einmal Revue passieren. Besonders interessant fand ich die Vergleiche von Schulz als Parlamentspräsident und als Kanzlerkandidat, wie hier bei Cerstin Gammelin.

Passend fand ich auch das Resümee von Ralph Sina in seinem Kommentar für den NDR:

Die Gefahr der Hybris und Selbstüberschätzung ist im EU-Biotop Brüssel - wo dem EU- Parlamentspräsidenten 40 Kabinettsmitarbeiter plus fünf Assistenten zur Seite stehen, programmiert: Wer EU-Parlamentspräsident kann, der kann auch Kanzler. Wer Brüssel kann, der kann auch Berlin, glaubte Schulz. Er wechselte von Brüssel nach Berlin, "um das Leben der Menschen ein bisschen besser zu machen". Versöhnen wollte er, nicht spalten - und dafür sorgen, "dass Gräben in unseren Gesellschaften und zwischen unseren Ländern geschlossen werden."


Dass ausgerechnet er neue Gräben aufreißen könnte, wenn auch nur in seiner eigenen Partei, diese Gefahr hat Schulz nicht kommen sehen - im geschützten Biotop namens Brüssel.

Darauf hatte ich die Idee, mir Martin Schulz' Twitteraktivität während seiner Zeit als Parlamentspräsident anzuschauen. Denn dass die Tweets von Kanzlerkandidat Schulz eher langweilig waren, schrieben zum Beispiel schon Lena Glöckner und Linda Hinz im Mai bei Focus Online. Außerdem wollte ich mich auf die Twitter-Replies beschränken, denn sie sind für mich ein Indikator, ob der Account nur als reines Mitteilungsorgan genutzt wird, oder ob auch auf die Reaktionen der Leserinnen eingegangen wird.

Eine Sammlung aller Tweets in diesem Text gibt es hier.

Um es gleich vorwegzunehmen: Es gab im gesamten Jahr 2017 nur eine Reply – und die ging an den amtierenden amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Davon soll man nun halten, was man will.

Im Jahr 2015 gab es überhaupt keine Replies. Im Jahr 2016 gab es zwei.

Im April ließ Schulz seine Follower raten, in welche Stadt er als nächstes reisen würde und bestätigte dem glücklichen Gewinner sogleich die richtige Antwort. (Er reiste nach Siena, um dort unter anderem eine Ehrendoktorwürde der dortigen Ausländeruniversität anzunehmen).

Im September bedankte er sich beim Europainstitut der London School of Economics für die Gastfreundschaft und den anregenden Austausch. (Er hatte dort einen Vortrag über den Brexit gehalten).

Besonders hervorzuheben ist der Zeitraum vom 1. März 2014 bis zum 1. Juli 2014. Am 1. März 2014 wurde er von den Europäischen Sozialisten zum Spitzenkandidaten für die anstehende Europawahl gewählt. Am 1. Juli trat er seine zweite Amtszeit als Präsident des Europäischen Parlaments an. Seinen Twitteraccount widmete er während dieser Zeit ausschließlich dem Wahlkampf, im Gegenzug ließ er für seine Tätigkeit als, zur Überparteilichkeit verpflichteter, Parlamentspräsident einen neuen Twitteraccount anlegen. Dass er seinen Account, welcher aufgrund seiner Tätigkeit eine große Reichweite erlangt hatte, einfach weiterbenutzte und nicht etwa einen eigenen Account nur für die Wahlkampagne anlegte, stieß auf Kritik.

Auf dem neuen, offiziellen Account @EP_President (archiviert als @EP_PresSchulz), gab es nur wenige Replies, vor allem wenn man diejenigen Tweets abzieht, die als "öffentliche Mentions" gedacht waren.

Am 14. März 2014 bedankte er sich beim offiziellen Account der Europäischen Kommission für die Folgeempfehlung (der Account hatte zu diesem Zeitpunkt weniger als 3000 Follower). Am 22. März teilte er einem Follower mit Bedauern mit, dass er bei seinem offiziellen Besuch in Dänemark nicht nach Aarhus kommen würde.

Am 18. November antwortete er auf einen Tweet des Haushaltsausschuss des Europäischen Parlaments:

Am 16 Dezember 2014 berichtete er in einer Reply an den venezolanischen politischen Gefangenen Leopoldo López von seinem Treffen mit dessen Frau und Menschenrechtsaktivistin Lilian Tintori (am folgenden Freitag gab es im Europäischen Parlament ein Votum über eine Resolution zur "Verfolgung der demokratischen Opposition in Venezuela"). Schließlich schrieb er am 6. März 2015 dem "Nueva Economía Forum" zwecks einer Rede, die er dort gehalten hatte.

Die Replies auf dem Hauptaccount während der Wahlkampfzeit bestanden vor allem aus Dankesbekundungen an Unterstützerinnen seiner Kampagne. Interessant fand ich aber diese Reply an die irische NGO "European Movement":

Martin Schulz ist kein Politiker, der auf Twitter viel selbst schreibt. Während der Wahlkampfzeit hieß es auf seinem Profil, seine eigenen Tweets würde er mit – M. kennzeichnen. Das geschah aber, wenn man die mehrsprachigen Tweets zusammenfasst, nur vier Mal. Insofern kann man in Frage stellen, ob diese Unterscheidung konsequent eingehalten wurde. Es stellt sich auch die Frage, ob es für diesen Text einen Unterschied macht, ob die Tweets von Martin Schulz selbst oder von seinem Team geschrieben wurden, schließlich hat Martin Schulz sein Social-Media-Team damit beauftragt, in seinem Namen zu sprechen.

Während seiner Wahlkampagne war vermutlich Marte Ingul die Verfasserin der meisten Tweets.

Der Twitteraccount von Martin Schulz ist seit seiner Wahl im Jahr 2012 aktiv (dafür, dass er den Account auch schon vorher benutzte, gibt es keine Anzeichen) und er wurde auch von Beginn an von einem großen Presse- und Kommunikationsteam unterstützt.

Auch die ersten beiden Replies erklärten, dass ein Team den Account für Schulz betreut. Für die meisten seiner Tweets dürfte wohl Raffaella De Marte verantwortlich sein. Auch Maud Noyon hat wohl einige Tweets geschrieben.

Es dauerte jedoch nicht lange, bis es auch eine Reply gab, die augenscheinlich von Schulz selbst geschrieben (oder zumindest diktiert) wurde:

Hier hatte ein Follower eine Frage anlässlich Schulz' Tweet zum Holocaustgedenktag, und Schulz verlinkt zur Erklärung seine komplette Rede:

Schulz schreibt Javier Solana, dass er einen seiner Artikel gut fand:

Schulz freut sich über das Lob für seinen Auftritt bei Maybritt Illner:

Schulz erklärt, warum sich der Aufwand lohnt, in mehreren Sprachen zu twittern:

Schulz hatte sich bei einer Podiumsdiskussion zu einer Reise des damaligen portugiesischen Premierministers Passos Coelho nach Angola geäußert. Diese Äußerungen kamen in Portugal nicht gut an. In seiner Reply verlinkt Schulz seine Erklärungen zu den Äußerungen:

Schulz zum Thema Austeritätspolitik:

Schulz erklärt, was er in einem vorherigen Tweet mit dem Begriff "Kammern" meinte:

Schulz über die Präsidentschaftswahl in Jemen:

Genau wie einer seiner italienischen Follower findet auch Schulz, dass der Fiskalpakt zu sehr zu Austerität und zu wenig zu Solidarität neigt:

Ein Hinweis auf die Autorenschaft der Schulztweets:

Schulz äußert sich zu der rassistischen Website von Geert Wilders:

Und bedankt sich bei dem marokkanisch-niederländischen Gemeinderat Ibrahim Wijbenga für den Link zu seiner Gegeninitiative:

Schulz bedankt sich für einen Blogpost:

Schulz ermutigt einen Follower, dass auch er eines Tages in seine (Schulz') Rolle schlüpfen könne:

Schulz findet, dass das europäische Projekt Altiero Spinellis heute wichtiger denn je ist:

Schulz antwortet der Initiative "Stop ESM":

Schulz hilft einem Follower bei den Politikwissenschaft-Hausaufgaben:

Schulz reagiert auf den Hinweis, dass seit seinem Amtsantritt die Informationen im Parlamentarium noch nicht aktualisiert wurden:

Schulz bedankt sich bei einem SPD-Kommunalpolitiker:

Schulz beantwortet Fragen zur Europäischen Bürgerinitiative:

Welche Bürgerinitiative würde Schulz starten, wenn er nicht Parlamentspräsident wäre?

Schulz bedankt sich bei einem Journalisten für einen Artikel, welchen dieser über ihn geschrieben hatte:

Schulz teilt dem damaligen Vizepräsidenten des Partito Democratico mit, dass er sich für Julia Timoschenko einsetzen würde:

Schulz antwortet einem Follower zum Thema Föderalismus:

Schulz beantwortet eine Frage zu den Finanzen des Europäischen Parlaments:

Schulz freut sich über das Lob des Politikwissenschaftlers Marco Wedel zu einem Radiointerview:

Ist kein einziger Tweet von Schulz selbst?

Marco Wedel meldet sich noch mal bei Martin Schulz und fragt ihn nach kurzfristigen Maßnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit:

Schulz schreibt dem damaligen grünen Europaabgeordneten Raül Romeva, dass er wieder nach Madrid und Barcelona kommen würde:

Schulz erhält Lob für seine Aktivität auf Twitter. Aber hat er auch diese Reply verfasst?

Martin Schulz bedankt sich bei Sigmar Gabriel:

Schulz zum Frauenanteil auf der Rednerinnenliste des Parlaments:

Schulz stellt richtig, dass er zwei Kinder hat, nicht drei:

Schulz wurde von einem griechischen Follower gefragt, warum er sich in Griechenland nur mit Politikern trifft:

Schulz antwortet einem Blogger zum Thema der griechischen Schuldenkrise:

Welche Sprachen spricht Martin Schulz?

Schulz zur Rolle des Europäischen Parlaments:

Schulz freut sich über das positive Feedback zur Union für den Mittelmeerraum:

Schulz reagiert auf die Kritik eines Followers, dass sich die "Große Koalition" im Europäischen Parlament, nachdem sie sich bei der Frage des Kommissions- und Parlamentspräsidenten geeinigt haben, sich auch Themen wíe dem Schengenraum widmen soll:

"Lasst uns unsere Brüder und Schwestern in Griechenland nicht im Stich lassen", schreibt ein Follower. Schulz' Antwort:

Antwort auf die Frage, ob Europa (sic) eine Hymne hat:

Schulz über den Nutzen von Social Media:

Schulz erklärt, warum er den englischen Fußballspieler Joe Hart in sein "Dreamteam" für die Europameisterschaft 2012 aufnehmen würde:

Und ob England oder Deutschland es ins Finale schaffen könnten:

Schulz zum Thema Ratingagenturen:

Schulz sagt dem damaligen Sprecher der Union der Europäischen Föderalisten Frankreich, dass er ihm schon längst auf Twitter folgt:

Schulz antwortet Jon Worth (shoutout to the left EU bubble tweetmeister!):

Schulz schreibt einem Abgeordneten der irischen Regierungspartei Fine Gael:

Schulz antwortet einem spanischen Follower zum Thema Schuldenkrise:

Schulz schreibt einem Follower zum Thema der Finanzierung von EU-Programmen:

Schulz erzählt einem Follower eine Anekdote von Bono:

Schulz beantwortet einem Follower die Frage, warum er nicht beim EPP-Kongress in Bukarest ist:

Schulz reagiert auf die Fragen zu dem Kuchen, den die Parlamentsköche anlässlich des Friedensnobelpreis gebacken haben:

Schulz antwortet auf die sicherlich ernst gemeinte Frage, welches Land laut seiner Aussage nie der Eurozone beitreten werde:

Wegen den 140 Zeichen reichte es Schulz nicht, "nachhaltiges Wachstum" zu schreiben, es wurde nur "Wachstum":

Schulz antwortet dem Movimiento 15-M:

Schulz erklärt einen Ablauf aus dem Parlament:

Schulz erklärt, dass das Erasmus-Programm seinen Namen behält:

Schulz beantwortet dem Journalisten Jens König die Frage, wo man sich den Friedensnobelpreis ansehen kann:

Schulz schreibt dem Wettbewerbsgewinner Larkin Zahra:

Schulz bedankt sich beim kolombianischen Präsidenten Juan Manuel Santos:

Schulz antwortet Oxfam zum Thema Finanztransaktionssteuer:

Schulz wird vom konservativen Europaabgeordneten Arnaud Danjean gefragt, warum de Gaulle und Adenauer nicht einem Film zum Friedensnobelpreis zu sehen waren:

Schulz erklärt, warum er meistens auf Englisch und Deutsch schreibt:

Schulz bedankt sich bei Marian Schreier für seine Aufnahme in die "Top 5 European/EU Thinkers 2012":

Martin Schulz und Alexander Alvaro tauschen Komplimente aus:

Schulz bedankt sich beim sozialdemokratischen Europaabgeordneten Leonardo Domenici für dessen Einsatz bei den neuen Regeln für Ratingagenturen:

Schulz äußert sich zu Alternativen zur Austeritätspolitik:

Schulz mag die GIFs der NGO "ONE":

Schulz schreibt Eloise Todd, der damaligen Direktorin von "ONE" in Brüssel, zum Thema EU-Entwicklungshilfe:

Schulz stimmt einem Follower zu, dass auch das Thema Arbeit für Europa wichtig ist:

Schulz über das Verhältnis zwischen Europa und Mexiko:

Schulz schreibt dem mexikanischen Senator Ernesto Cordero:

Schulz schreibt der damaligen Präsidentin von Costa Rica, Laura Chinchilla:

Schulz hatte sich bei seinen Geburtstagsglückwünschen um ein Jahr geirrt:

Schulz reagiert auf den Kommentar des Journalisten Lorenzo Consoli zum Basel-III-Paket:

Schulz erklärt seinen Tweet zum Thema EU-Haushalt:

Die damalige liberale Europaabgeordnete Sarah Ludford wollte von Schulz wissen, warum er den Papst im Parlament empfängt:

Schulz antwortet einem Journalisten zum Thema EU-Hilfspaket für Zypern:

Schulz korrigiert nach der Kritik eines polnischen Politikwissenschaftlers die Formulierung in seinem Tweet über den Aufstand im Warschauer Ghetto:

Schulz über nationale Wahlen:

Schulz wird von der grünen Europaabgeordneten Rebecca Harms daran erinnert, dass er sich für Julia Timoschenko einsetzen soll:

Schulz erklärt einem Follower, warum das Parlament dem mehrjährigen Finanzrahmen 2014-2020 erst zustimmen muss:

Schulz über Griechenland:

Schulz mag Sardinen:

Schulz wird gefragt, ob das Parlament über den gesamten Finanzrahmen abstimmen wird:

Wie die Leute laut Schulz reagieren, wenn sie gefragt werden, was die Alternative zu Europa ist:

Schulz über die Zukunft der EU:

Schulz wird gefragt, ob die EU mehr wie die USA werden wird:

Tim McPhie fragt Martin Schulz, wie er seinen Artikel findet. (Ab Februar 2014 arbeitete er für Schulz' Wahlkampagne bei den Europäischen Sozialisten.)

Schulz über das Bootsunglück vor Lampedusa:

Schulz bedankt sich für das Lob von Javier Solana:

Schulz wird gefragt, ob er Großbritannien hasst:

Schulz wird nach seiner Meinung zum Spitzenkandidaten-Prozess gefragt:

Schulz wird noch ein mal gefragt, welche Sprachen er spricht:

Ein Aktivist der Europäischen Sozialisten freut sich, dass Schulz ihm auf Twitter folgt:

Und schließlich – Martin Schulz über das kommende Jahr: